Methode zur Ermittlung der Aufteilung von Verkehrsverbundeinnahmen

 

                                                                                                                                                                                                                                                                              
Aufgabe
Erarbeitung einer standardisierten Methode zur Ermittlung der Verkehrsverbundeinnahmen

Autraggeber
ÖBB Personenverkehr AG
ÖBB Postbus GmbH


Projektlaufzeit
2007

Kooperationspartner
keine



Aufgabenstellung

Derzeit gibt es für alle Verkehrsverbünde einen Aufteilungsschlüssel, der zwischen den Verkehrsunternehmen relativ fix vereinbart ist. Sollte eine Änderung dieser Aufteilungs­schlüssel erforderlich sein, erfolgt dies in erster Linie auf dem Verhandlungswege.
Im Rahmen der vorliegenden Arbeit ist eine standardisierte Methode zur Ermittlung der Verkehrsverbundeinnahmen zu entwickeln und zu beschreiben, die ein bestmögliches Ergebnis unter Berücksichtigung eines effizienten Einsatzes der dafür nötigen finanziellen Mittel ermöglicht.

Diese Methode soll folgende Ziele erfüllen:
  • Ermittlung der Nutzung von Verkehrsunternehmen auf Parallelrelationen in Form einer Stichprobenerhebung durch Feststellung der Anzahl der Fahrgäste im Bus und Zug auf definierten Relationen oder in definierten Einnahmenaufteilungseinheiten (Zonen, Waben oder Bezirken je nach Verkehrsverbundgebietseinteilung);
  • Ermittlung des Anteiles der Fahrgäste mit Verbundfahrausweisen für die betrachtete Relation;
  • Darstellung des Anteiles der Fahrgäste mit Verbundfahrausweisen je Verkehrs­unter­neh­men und Relation inklusive Abschätzung des Stichprobenfehlers;
  • Ermittlung der Kostenteilung.
Diese Ermittlung des Aufteilungsschlüssels gilt dann so lange, bis ein Unternehmen den derzeit gültigen Aufteilungsschlüssel begründet als überarbeitungswürdig einstuft und mit der gegenseitigen Aufteilung nicht zufrieden ist. Zur Plausibilitätskontrolle und Hochrech­nung sind vorliegende Fahrgastzählungen der Verkehrsunternehmen heran­zu­zie­hen. Seitens der ÖBB-PV-AG sind dies die Mofas-Daten.

Vorgangsweise


(1) Auswahl einer geeigneten Methode zur Ermittlung der Einnahmenaufteilung
Die Auswahl einer Methode erfolgt auf Grundlage internationaler und eigener Erfahrungen der Beteiligten. Voraussetzung für die Auswahl einer Methode ist, dass es positive Erfahrungswerte gibt, dass alle unterschiedlichen Fahrscheinarten (Verkehrsverbundfahrscheine, Schüler­fahr­ausweise und Haus­tarife) erfasst werden und dass der Stichprobenfehler abgeschätzt und in einem vertretbaren Rah­men gehalten werden kann.

(2) Fahrgasterhebung an einem Stichtag
  • Erhebungsdurchführung
  • Personalbedarf
  • Erhebungsstichtag
  • Erhebungsort und Stichprobenumfang
  • Fahrgastzählung
  • Fahrgastbefragung
  • Ablauf der Fahrgasterhebung
(3) Aufbereitung der Daten
Die Dokumentation der Aufbereitung der Daten des Ergebnisses hat alle Schritte der Fahr­gasterhebung und der Hochrechnung der erhobenen Werte in nachvollziehbarer Art und Weise zu enthalten. Aus der Summe der hochgerechneten Werte der Fahrgasterhebung (alle Kurse aller Linien am Erhebungstag) ist die anteilsmäßige Nutzung aller Haltestellenbeziehungen jedes Verkehrsunternehmens und Fahrkartenart im Untersuchungs­ge­biet in Form von prozen­tuellen Anteilen zu ermitteln sowie plausibel und nachvollziehbar darzustellen. Diese Anteile sind die Basis für die Einnahmen­aufteilung.

(4) Abschätzung des statistischen Zufallsfehlers des Erhebungsergebnisses
Der statistische Zufallsfehler des Erhebungsergebnisses (Anteil der Verkehrsunternehmen für eine Fahrgastbeziehung und Fahrscheinart) ist abhängig von der
  • Grundgesamtheit der Menge der Fahrgäste einer Linie am Erhebungstag
  • Größe der Stichprobe, wobei eine Mindestanzahl von ca. 30 Erhebungseinheiten je Auswerteeinheit (z.B. Fahrscheinart je Beziehung) erreicht werden soll (bzw. gegeben sein muss).
  • Jahresschwankung (Streuung) auf Basis einer Jahresganglinie
  • der Größe des Anteiles des Verkehrsunternehmens an einer betrachteten Fahrgast­beziehung sowie einer Fahrscheinart
  • der zu vereinbarenden statistischen Sicherheiten (z.B. 95%) bzw. der dazugehörenden Irrtumswahrscheinlichkeit (z.B. 5%).
(5) Basisdaten für die Durchführung
Für die Durchführung der Fahrgasterhebung sind durch die Verkehrsunternehmen oder durch die Clearingstelle des Verkehrsverbundes folgende Unterlagen bereitzustellen:
  • Fahrplan in digitaler Form für alle Linien im Untersuchungsgebiet (z.B. DIVA – Fahrplan)
  • Kursgenaue Angabe über die Art und Anzahl der eingesetzten Fahrzeuge
  • Angabe aller möglichen Fahrscheinarten – Bereitstellung von Musterfahrscheinen
  • Unterlagen über aktuellen Relations- bzw. Aufteilungsschlüssel
  • Relationsbezogen Verkaufsdaten der Fahrkarten im Bezugszeitraum
  • Daten von aktuellen Fahrgastzählungen  soweit vorhanden
(6) Kostenschätzung für die Durchführung der Fahrgasterhebungen


Ergebnis

Mit dem vorgeschlagenen Verfahren der Fahrgasterhebung aller Kurse (Züge) und aller Linien (Strecken) für einen Stichtag verteilt über einen (oder mehrere Erhebungstage) in einem definierten Unter­suchungsgebiet kann eine fundierte Grundlage für die Aufteilung der Ein­nahmen aus verkauften Ver­kehrsverbundfahr­scheinen erarbeitet werden. Die Fahrgasterhebung setzt sich aus einer Fahrgastzählung und einer Fahrgastbefragung zusammen.
Die detaillierte Beschreibung der Erhebungsdurchführung (Fahrgastzählung und Fahrgast­befragung) mit Angaben zum erforderlichen Personalbedarf, dem Erhebungs­stichtag, dem Erhebungsort sowie die Angabe zur Datenaufbereitung (Hochrechnung der Erhebung und Abschätzung des statistischen Fehlers der Erhebungsergebnisse) stellen die Grundlage für eine Vorbereitung und Durchführung der zu erbringenden Leistungen dar.