Verkehrsmanagementkonzept Keplerstraße 2010
 

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    
        
Aufgabe
Erarbeitung von Vorschlägen für ein Verkehrsmanagement in der Keplerstraße,  die eine Verbesserung der derzeitigen Situation ermöglichen

Auftraggeber
Magistrat der Stadt Graz
Abteilung für Verkehrsplanung

Projektlaufzeit
2010




Aufgabenstellung

Die starke Verkehrsnachfrage in der Keplerstraße verursacht auf der bestehenden Straße und mit der bestehenden Verkehrsorganisation und VLSA-Regelung KFZ-Stau und starke Behinderungen für den öffentlichen Verkehr (vorwiegend Buslinien 58 und 63), vor allem bei der Zufahrt zum Lendplatz aus Richtung Osten und Westen. Es waren Vorschläge für ein Verkehrsmanagement zu erarbeiten, die eine Verbesserung der derzeitigen unbefriedigenden Situation ermöglichen.

Bestandsanalyse
  • KFZ-Verkehrsbelastung
  • KFZ-Rückstau
  • ÖV-Behinderungen
  • Beurteilung der bestehenden VLSA-Steuerungen


Vorschläge Verkehrsmanagement in Varianten

Variante A: kombiniert Maßnahmen für die  VLSA-Regelung, die Anordnung von Busfahrstreifen und eine neue Verkehrsorganisation der Nordrampe der Keplerbrücke – Lendkai.
  • Einbahnrichtung auf der Nordrampe Keplerbrücke – Lendkai wird bei dieser Variante umgedreht, dadurch wird für KFZ < 3,5t zul. Gesamtgewicht eine Verbindung von der Keplerbrücke über die Nordrampe Keplerbrücke – Lendkai zum Lendkai nach Süden geöffnet. 
  • Im Bereich der bestehenden Bushaltestestelle in der Humboldtstraße im Kreuzungsbereich mit der Grabenstraße soll ein Busfahrstreifen eingeführt werden.
  • Rechtsabbiegefahrstreifen (ausgenommen Linienbus) in der Wickenburggasse zwischen Grabenstraße und Laimburggasse.
  • Busfahrstreifen Wickenburggasse: zwischen der Laimburggasse und der Körösisstraße soll ein Busfahrstreifen realisiert werden.
  • Bereich Keplerbrücke: Bei Variante A wird die bestehende Fahrstreifenaufteilung beibehalten, der nördliche Fahrstreifen auf der Keplerbrücke dient als Rechtsabbiegefahrstreifen zur Nordrampe Keplerbrücke – Lendkai und als Geradeausfahrstreifen für Linienbusse. 
  • Keplerstraße zwischen Nordrampe Keplerbrücke - Lendkai und Neubaugasse: Einführung eines Busfahrstreifens am nördlichen Fahrstreifen. Im Kreuzungsbereich mit der Neubaugasse wird der Busfahrstreifen für Rechtsabbieger in die Neubaugasse geöffnet.
  • Keplerstraße zwischen Neubaugasse und Lendplatz: Beibehaltung der derzeitigen Fahrstreifenaufteilung (kein Busfahrstreifen).
  • Neue VLSA-Regelung und Bevorrangung der Linienbusse am Lendplatz.
  • Neue VLSA-Regelung am Marienplatz so, dass Linienbusse vom Bahnhof kommend die Grünphase für die Richtung vom Bahnhof beenden, wenn sie die Kreuzung überquert haben. 
  • Kreuzung Keplerstraße – Bahnhofgürtel als zusätzliche Option: Die VLSA soll als „Dosierung“ für den Zufluß zur Keplerstraße vom Bahnhofgürtel verwendet werden. 
images/de_Keplerstrasse_Bus_VarianteA.gif
Abbildung: Lageskizze der Variante A im Bereich Keplerbrücke



Variante B: baut auf den Maßnahmen der Variante A auf und unterscheidet sich in folgenden Punkten:
  • Die Verkehrsorganisation der Nordrampe Keplerbrücke – Lendkai bleibt wie im Bestand (kein Umdrehen der Einbahn, das heißt die Einbahn führt vom Lendkai zur Keplerstraße).
  • Auf der Keplerbrücke wird der nördliche Fahrstreifen in einen Busfahrstreifen umgewandelt. Dadurch steht auf der Keplerbrücke in Fahrtrichtung nach Westen nur mehr ein KFZ-Fahrstreifen zur Verfügung.
  • Der Linksabbiegestrom vom Kaiser Franz Josef Kai zur Keplerbrücke wird (von derzeit 2 Linksabbiegefahrstreifen) auf einen Linksabbiegefahrstreifen reduziert, da auf der Keplerbrücke nur ein KFZ-Fahrstreifen nach Westen führt.
images/de_Keplerstrasse_Bus_VarianteB.gif
Abbildung:
Lageskizze der Variante B, Bereich Keplerbrücke

Mikrosimulation des Verkehrsablaufes der Varianten

Die Varianten A und B (sowie verschiedene Untervarianten) wurden mit Hilfe einer Mikrosimulation des Verkehrsablaufes untersucht und mit dem Bestand verglichen. Die Mikrosimulation stellt eine ausgezeichnete Möglichkeit dar, die Zusammenhänge der VLSA-Regelung und Verkehrsorganisation über einzelne Kreuzungen hinaus zu betrachten und zu überprüfen. Deshalb wurde diese Methode hier angewandt, um Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Kreuzungen und die Auswirkungen der Busfahrstreifen und Maßnahmen darzustellen und zu überprüfen.

Verwendetes Verkehrssimulationsmodell:
Für die Verkehrssimulation wurde die Software VISSIM verwendet. VISSIM ist ein mikroskopisches, zeitschrittorientiertes und verhaltensbasiertes Simulationsmodell zur Nachbildung von Stadt- und Außerortsverkehr. Neben dem Individualverkehr (IV) kann auch sowohl der schienen- als auch der straßengebundene öffentliche Personennahverkehr (ÖV) modelliert werden. Der Verkehrsablauf wird unter verschiedenen Randbedingungen aus Fahrstreifenaufteilung, Verkehrszusammensetzung, Lichtsignalsteuerung und Erfassung von IV- und ÖV-Fahrzeugen simuliert. Bezogen auf verkehrliche Kenngrößen können unterschiedliche Varianten bewertet werden.
Im Gegensatz zu einfacheren Modellen, in denen weitgehend konstante Geschwindigkeiten und ein deterministischer Folgevorgang von Fahrzeugen vorausgesetzt werden, verwendet VISSIM das psycho-physische Wahrnehmungsmodell von WIEDEMANN (1974). Das Folgemodell wurde anhand zahlreicher Messungen geeicht. Messungen neueren Datums stellen sicher, dass mittlerweile geändertes Fahrverhalten und technische Möglichkeiten der Fahrzeuge korrekt abgebildet werden.
Bei mehrstreifigen Fahrbahnen berücksichtigt ein Fahrer im VISSIM-Modell nicht nur die vorausfahrenden Fahrzeuge, sondern auch die Fahrzeuge auf den beiden Nachbarfahrstreifen. Zusätzlich bewirkt eine Signalanlage ca. 100 m vor Erreichen der Haltelinie eine besondere Aufmerksamkeit beim Fahrer. In VISSIM werden sogenannte Fahrer-Fahrzeug-Einheiten durch ein Netz bewegt.

Ergebnisse der Mikro-Verkehrssimulation der Varianten
Die Mikro-Verkehrssimulation wurde jeweils für eine Morgenspitzenstunde und eine Nachmittagsspitzenstunde des bestehenden Verkehrsaufkommens durchgeführt.

(1) Optisch – grafische Kontrolle des Verkehrsablaufes der Mikro-Verkehrssimulation
In der optischen Kontrolle des simulierten Verkehrsablaufes konnte die Funktionsfähigkeit der Varianten festgestellt werden.

(2) Variantenvergleich mit Hilfe von Reisezeitmessungen MIV und ÖV
Beide Varianten A und B bringen eine Einsparung der Reisezeit für Linienbusse und reduzieren die Spitzen der Behinderungen.  
Für den KFZ-Verkehr zeigt sich je nach Variante ein differenziertes Bild:
Variante A (mit Umdrehen der Einbahn Nordrampe Keplerbrücke – Lendkai) verursacht eine Erhöhung um ca. 18 Sekunden pro KFZ, Variante B um ca. 37 Sekunden pro KFZ.

(3) Zusätzlich mögliche Erhöhung der KFZ-Verkehrsbelastung
In Summe kann bei Variante A in Fahrtrichtung von der Wickenburggasse und vom Kaiser Franz Josef Kai nach Westen ungefähr 10% mehr KFZ-Verkehr abgewickelt werden als heute und als bei Variante B, wenn die Leistungsfähigkeitsgewinne durch mehr Grünzeit für die Hauptrichtungen genutzt werden. Eine Alternative dazu wäre eine Verringerung der Umlaufzeit an der Kreuzung Lendplatz, die eine deutliche Verringerung der Wartezeit aller Verkehrsteilnehmer brächte.



Maßnahmenprogramm für die Variante A des Verkehrsmanagement

In den Diskussionen mit Vertretern der Stadtpolitik und des Bezirksrates Lend wurde die Variante B für die kurzfristige Umsetzung ausgewählt. Es soll im Sinne eines „Testlaufes“ die Variante B versucht werden. Sollten sich in der Praxis große Leistungsfähigkeitsprobleme ergeben, soll erst in einem zweiten Schritt die Variante A realisiert werden (Umdrehen der Einbahnrichtung Nordrampe Keplerbrücke – Lendkai und Öffnen der Verkehrsbeziehung  Keplerbrücke – Nordrampe – Lendkai nach Süden).



Ergebnis
Der Straßenzug Wickenburggasse – Keplerstraße ist eine der Grazer Hauptachsen für den Linienbusverkehr und weist heute starke Behinderung durch KFZ-Rückstau auf. Das führt insbesondere für Busse der Linien 63 und 58 zu starken Verspätungen und uneffizientem Buseinsatz.
Deshalb wurde ein Verkehrsmanagement-Konzept erarbeitet, das ein abgestimmtes Maßnahmenpaket aus Busfahrstreifen und Optimierung der VLSA-Regelung enthält. Für dieses Konzept wurden Mikro-Verkehrssimulationen des Verkehrsablaufs in Varianten untersucht und die verkehrstechnische Funktionsweise nachgewiesen. Das von den Entscheidungsträgern für die Bearbeitung ausgewählte Maßnahmenprogramm baut auf Variante B auf (ohne Umdrehen der Einbahn Nordrampe Keplerbrücke).

Die Umsetzung der Maßnahmen besteht hauptsächlich aus neuen Bodenmarkierungen und Adaptierung der VLSA-Programme und kann relativ schnell durchgeführt werden, wenn die Detail-Grundlagen vorliegen. 

 
images/22.gif