Verkehrskonzept LKH-Quadrant 2010
 

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Aufgabe
Erstellung eines
Verkehrsentwicklungskonzeptes für den Bereich LKH-Universitätsklinikum sowie Graz – MUG


Auftraggeber
KAGES

Medizinische Universität Graz

Stadt Graz,

Amt der Steiermärkischen Landesregierung




Projektlaufzeit

2010


Aufgabenstellung
Im und um das LKH-Universitätsklinikum Graz besteht derzeit eine Reihe von Ausbauplänen der Bebauung und der Infrastruktur. Für diese einzelnen Projekte bestehen teilweise einzelne Verkehrserschließungskonzepte und sind Verkehrsdaten vorhanden, es fehlt aber ein übergeordnetes Gesamtkonzept für diesen Bereich.
Inhalt des vorliegenden Verkehrskonzeptes LKH-Quadrant ist die Erstellung eines konsensorientierten Verkehrsentwicklungskonzeptes für den Bereich LKH-Universitätsklinikum sowie Graz – MUG (LKH-Quadrant). Dieses Verkehrsentwicklungskonzept  berücksichtigt alle vorhandenen Einzelprojekte und weitere bestehende Planungen im LKH-Universitätsklinikum Graz und im Umfeld des LKH/MUG und enthält als Ergebnis ein umfassendes Maßnahmenprogramm zur optimalen Verkehrserschließung.
Wesentlicher Teil der durchgeführten Erarbeitung ist neben den verkehrsplanerischen Berechnungen und der Erarbeitung des Maßnahmenprogramms auch die intensive Zusammenarbeit mit Vertretern der Baudirektion (Stadtplanung und Verkehrsreferat), des LKH-Universitätsklinikum Graz, der KAGES, der MUG, des Landes Steiermark und anderen Projektentwicklern in diesem Bereich.

Das Ergebnis liefert Vorgaben und eine Unterstützung für die weiteren Planungen im „LKH-Quadranten“ und für die verkehrstechnisch erforderlichen Maßnahmen im Verkehrsnetz um den „LKH-Quadranten“.


Vorgangsweise und Projektorganisation

Für die Erstellung des Verkehrskonzeptes wurden folgende Arbeitsschritte durchgeführt:
  • Analyse des bestehenden Verkehrsangebotes bzw. der bestehenden Verkehrsnachfrage im LKH-Quadranten. 
  • Definition von Szenarien zukünftiger Verkehrsentwicklung im LKH-Quadranten. 
  • Es wurde ein zukünftiges Entwicklungsszenario für den LKH-Quadranten als Grundlage für die verkehrstechnische und verkehrsplanerische Berechnung und Maßnahmenentwicklung definiert. 
  • Für das ausgewählte Szenario der Verkehrsentwicklung wurde ein Maßnahmenkonzept erarbeitet und detailliert. 
  • Im Anschluß an die Erstellung des Verkehrskonzeptes LKH-Quadrant wurde ein Mobilitätsvertrag erarbeitet, in dem sich Stadt Graz, Land Steiermark, KAGES und MUG zu Maßnahmen verpflichten sowie die Verantwortlichkeiten und  Zeitbezüge festgelegt sind.
Bestehendes Verkehrsangebot und bestehende Verkehrsnachfrage

Bestehendes Verkehrsangebot im Umfeld des LKH:

Bestehendes Verkehrsangebot nichtmotorisierter Verkehr (Fußgänger und Radfahrer):

Es bestehen mehrere Radrouten, welche die Innenstadt mit dem LKH Quadrant verbinden. Innerhalb des LKH wird der Fahrradverkehr im Mischprinzip mit KFZ geführt. Großer Nachholbedarf besteht in der Qualität der Anbindung des LKH für den Fahrradverkehr. Ein zusätzliches Problem stellt der Höhenunterschied zum LKH-Plateau dar. Ein neuralgischer Punkt ist der Leonhardplatz. Eine Querung für Radfahrer aus der Schanzelgasse zum LKH ist in beiden Richtungen nur in 2 Phasen möglich. In der anschließenden Hilmteichstraße sowie der Riesstraße ist der Fahrradverkehr nur im Mischverkehr möglich.

Bestehendes Verkehrsangebot Öffentlicher Verkehr:
Der LKH Quadrant ist durch die Straßenbahnlinie 7 sowie die Buslinien 41, 82 und 77 an das öffentliche Verkehrsnetz angebunden. Innerhalb des LKH Areals verkehrt ein Citybus welcher die verschiedenen Institute verbindet.

Bestehendes Verkehrsangebot Fließender KFZ-Verkehr:
Der Bereich LKH Quadrant ist durch folgende Tempo 50 Vorrangstraßen (Landesstraßen) erschlossen:
•    Elisabethstraße B65
•    Hilmteichstraße L398
•    Ragnitzstraße L327
•    Riesstraße (Gleisdorfer Straße B65) Landesstraße
•    Stiftingtalstraße L324
Die Leonhardstraße ist im Abschnitt zwischen Leonhardplatz und Rembrandtgasse für KFZ stark verkehrsberuhigt.


Bestehendes Verkehrsangebot Ruhender KFZ-Verkehr:
Im Bereich LKH-Quadrant befinden sich in Summe 3.163 Stellplätze. Davon stehen 2.203 Stellplätze für Mitarbeiter und 960 für Besucher zur Verfügung. Das LKH befindet sich ausserhalb des Bereiches der Parkraumbewirtschaftung. 


Zukünftige Trendentwickung im LKH-Quadranten

Die zukünftige Entwicklung im LKH-Quadranten ist geprägt durch folgende Einflüsse:

  • Entwicklung des LKH Universitäts-Klinikum Graz: Für das LKH-Universitätsklinikum wird in Zukunft mit weiter steigenden Besucher- und Beschäftigtenzahlen zu rechnen sein. 
  • Entwicklung der MUG (Medizin-Universität Graz): östlich der Stiftingtalstraße soll die MUG errichtet werden. Dies bedeutet ein starkes zusätzliches Verkehrsaufkommen von Studenten und Beschäftigten der MUG.
  • Als Trendentwicklung der Verkehrsmittelwahl wurde für das LKH eine leichte weitere Zunahme des Weganteils der MIV-Lenker angenommen. Für die zusätzlichen Nutzer der MUG wurden getrennt nach Beschäftigten und Studenten Annahmen über die Verkehrsmittelwahl getroffen, abgeleitet aus dem bestehenden Verkehrsverhalten der Beschäftigten und Studenten im LKH.
  • Stellplatzprojekte von KAGES, LKH und MUG:
  • Derzeit bestehen im Bereich des LKH-Quadranten insgesamt ca. 3163 Stellplätze, davon ca. 913 mit Zufahrt über die Einfahrt Hilmteichstraße und 2250 mit Zufahrt über die Stiftingtalstraße. Diese geplante Zunahme gegenüber dem Bestand entspricht einer Zunahme um +24 bis +29% gegenüber dem Bestand.
  • Entwicklung des Verkehrs, der unabhängig vom LKH ist: Für diesen Verkehr wird angenommen, dass sich das Verkehrsaufkommen des KFZ-Verkehrs bis zum Jahr 2020 um ca. 1% pro Jahr erhöht. Dies betrifft vor allem den Verkehr auf der Riesstraße, der Stiftingtalstraße, der Hilmteichstraße und der Elisabethstraße.

Als Ergebnis steht für das Jahr 2020 eine Trendprognose für das Verkehrsaufkommen für alle Verkehrsmittel und eine Trendprognose der KFZ-Verkehrsbelastungen des umliegenden Straßennetzes zur Verfügung.
  • Stark zunehmen wird das Gesamtverkehrsaufkommen (Summe aller Verkehrsmittel). Das ist eine Folge der zunehmenden Besucher- und Beschäftigtenzahlen des LKH und des Neubaus der MUG.
  • Als KFZ-Verkehrsbelastung am Straßennetz mischt sich der zunehmende KFZ-Verkehr von LKH und MUG mit dem vom LKH unabhängigen Verkehr. Als Ergebnis wären Zunahmen der KFZ-Verkehrsbelastungen des umliegenden Straßennetzes um ca. 20% gegenüber heute zu erwarten. 

Szenarien der Verkehrsentwicklung im LKH-Quadranten
Das Ergebnis der Trendprognose zeigt auf Grund der Entwicklung im LKH-Quadranten starke Zunahmen der KFZ-Verkehrsbelastungen auf den umliegenden  Straßen, die nicht ohne Ausbau des bestehenden Straßennetzes bewältigbar sind. Die beschriebene Trendentwicklung würde also zu eine starken Überlastung der Leistungsfähigkeit des Straßennetzes und sehr starkem KFZ-Stau führen.
Da dieser Zustand mit einer starken Überlastung der Kapazität des Straßennetzes mit sehr starkem KFZ-Stau aus verkehrstechnischer Sicht nicht anzustreben ist, wurden Szenarien entwickelt, die andere Entwicklungsmöglichkeiten für die Zukunft aufzeigen:
  • Szenario „Change“ sanft: Verfolgen einer Entwicklung mit Förderung des Fußgänger- und Fahrradverkehrs und des öffentlichen Verkehrs. Das weitere Wachstum des KFZ-Verkehrs der Nutzungen im LKH-Quadranten soll eingeschränkt werden. Insgesamt ist aber trotzdem eine leichte weitere Zunahme des KFZ-Verkehrs zu erwarten, die Zunahme liegt aber deutlich unter jener der Trendprognose. 
  • Szenario „Change“ hart: Verfolgen einer Entwicklung mit sehr starker Förderung des Fußgänger- und Fahrradverkehrs, die weit über das Ausmaß des Szenario „Change“ sanft hinausgeht. Dies bedeutet auch eine konsequente Einschränkung der bereitgestellten Stellplätze im LKH-Quadranten. Erst damit könnte eine leichte Verringerung des KFZ-Verkehrsaufkommens des LKH-Quadranten gegenüber heute erreicht werden, obwohl zusätzliche Nutzungen entstehen (MUG etc.). 


Generelles Maßnahmenkonzept für das Szenario „Change“ sanft

Das erarbeitete Maßnahmenkonzept sieht einerseits einen geringen Straßenausbau in einem als verträglich betrachteten Ausmaß vor, andererseits eine starke Förderung des Fußgänger-, Fahrrad- und öffentlichen Verkehrs und organisatorische Maßnahmen zur Verringerung des MIV. Wesentlich ist auch, dass die Anzahl der zusätzlichen Stellplätze gegenüber dem von LKH, KAGES und MUG ursprünglich gewünschten Ausmaß deutlich reduziert wird.

Das Maßnahmenkonzept gliedert sich in:
  • Allgemeine organisatorische Maßnahmen und Grundsätze 
  • Bauliche Maßnahmen für den Fußgänger- und Fahrradverkehr 
  • Bauliche Maßnahmen für den öffentlichen Verkehr 
  • Bauliche Maßnahmen für den fließenden und ruhenden motorisierten Individualverkehr 
images/de_LKH_Quadrant_Massnahme_FussRad.gifAbbildung: Maßnahmen für den Fußgänger- und Fahrradverkehr im LKH-Quadranten


images/de_LKH_Quadrant_Massnahme_OEV.gifAbbildung: Maßnahmenübersicht öffentlicher Verkehr

Ergebnis

Aufbauend auf dem Verkehrspolitischen Leitbild „Change sanft“ wurde gemeinsam mit der Stadt Graz, dem Land Steiermark, der KAGES und der MUG ein Maßnahmenkonzept erarbeitet, das die Erreichbarkeit des LKH-Quadranten langfristig sicherstellen soll. Dieses Konzept enthält folgende Maßnahmenbereiche:

Parkraummanagement und Mobilitätsmanagement:
Durch Parkraumbewirtschaftung und Parkraummanagement der bestehenden und zusätzlichen Stellplätze soll die erwartete Zunahme des KFZ-Verkehrs beschränkt werden. Mobilitätsmanagement soll verpflichtend durch MUG und KAGES durchgeführt werden, um weiteres Wachstum des KFZ-Verkehrs zu verhindern. Unter Mobilitätsmanagement ist z.B. die laufende Mobilitätsberatung der Beschäftigten, Anbieten von Fahrgemeinschaftszentralen, die Einführung von Job-Tickets für den ÖV etc. zu verstehen. Dadurch soll durch Informationsarbeit, Marketing und bessere organisatorische Angebote das Verkehrsverhalten verändert werden.

Zusätzlich dazu sind bauliche und organisatorische Maßnahmen für die einzelnen Verkehrsmittel vorgesehen:
Förderung des Fußgänger und Radverkehrs – Ausbau von Geh- und Radwegen;
Förderung des öffentlichen Verkehrs – Ausbau der Straßenbahn, Verdichtung der Buslinien etc.;
Punktuelle Verbesserungen der Erschließung für den KFZ-Verkehr: Zur Erschließung des neuen MUG-Standortes in der Stiftingtalstraße wird ein Ausbau der Kreuzung Riesplatz und ein Erschließungskonzept MUG vorgeschlagen.

Dieses Maßnahmenkonzept liegt als detaillierte Maßnahmenliste vor. Es wird angestrebt, dass die Stadt Graz und das Land Steiermark mit KAGES und MUG einen privatrechtlichen Mobilitätsvertrag abschließen, in dem die Maßnahmen (sowie Verantwortlichkeiten und Zeitbezug) festgeschrieben werden. 

 
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