Mobilitätsverhalten der Grazer Wohnbevölkerung 2008
 

images/de_MobilitaetGraz_Verkehrszweckmatrix.gif
  
Aufgabe
Durchführung einer Mobilitätserhebung der Grazer Wohnbevölkerung

Auftraggeber
Magistrat  der Stadt  Graz
Abteilung für Verkehrsplanung

Projektlaufzeit
2008 - 2009





Aufgabenstellung

In der Bestandsaufnahme des Verkehrs­verhaltens der Grazer Wohnbevölkerung sollen Grundlagen für eine Erfolgskontrolle der Verkehrspolitik von Graz und eine Datengrundlage für die Ermittlung von Auswirkungen und die Bewertung geplanter Verkehrsmaß­nahmen geliefert werden. Im Vergleich mit den Erhebungen der Jahre 1982, 1991, 1998 und 2003 sollen die Veränderungen im Verkehrs­verhalten der vergangenen Jahre bzw. die Auswirkungen gesetzter Maß­nahmen aufgezeigt werden.


Vorgangsweise

Das angewandte Erhebungsverfahren ist eine schriftliche, postalische Haushaltsbefragung ("KONTIV-Verfahren", entwickelt von Socialdata), bei der das Verkehrstage­buch eines vorgegebenen Stichtages für alle Haushaltsmitglieder erhoben wird. In einem Haushaltsfragebogen werden die sozio-demographischen Kennwerte der Haushaltsmitglieder erfaßt.

  • Erhebungszeitraum:
    Die Erhebung wurde von Montag bis Freitag im Zeitraum von sieben Wochen durchgeführt.
  • Stichprobenumfang:
    Die Beschreibung des Verkehrsverhaltens basiert auf den rückgesandten verwertbaren Fragebogen von 1455 Grazer Haushalten mit 3217 Personen ab 6 Jahren für die Erhebung 2008 (Stichprobe von ca. 1,2 % der Wohnbevölkerung).
  • Gewichtung und Hochrechnung: 
    Um verzerrende Einflüsse der Erhebung auszuschalten, wurde ein mehrstufiges Hochrechnungs- und Gewichtungsverfahren, getrennt für die Werktags- und Wochenenderhebung, angewendet: Gewichtung der Stichprobenauswahl; Gewichtung der Wochentagsverteilung; Soziodemographische und räumliche Gewichtung der Hochrechnung
  • Räumliche Einteilung des Untersuchungsgebietes:
    Für die räumliche Zuordnung der Verkehrsnachfrage ist das Grazer Stadtgebiet in 110 Verkehrsbezirke eingeteilt. Außerhalb von Graz wurde auf der Aggregationsstufe von Gemeinden verschlüsselt. Diese Einteilung baut auf vorhergehende Untersuchungen auf, damit ein Vergleich möglich ist.

Ergebnis

Die verkehrspolitischen Ziele der GIVE aus dem Jahr 1995 hatten eine Stabilisierung des Fußgängerverkehrsanteils, eine Steigerung der Weganteile des ÖV und Fahrradverkehrs sowie ein Senken des Weganteils des MIV zum Ziel. Die Befragungsergebnisse zeigen folgendes Bild:

  • Der MIV-Anteil der Grazerinnen und Grazer konnte vermindert und der Anteil des ÖV erhöht werden. Damit wurden die drohenden Verluste des ÖV durch den Trend abgefangen. Dies wurde durch folgende Maßnahmen erreicht: Verbesserung des Angebotes des öffentlichen Verkehrs durch Intervallverkürzung und besseres Linienangebot; Verkehrsverbund; Beschleunigung des öffentlichen Verkehrs durch den Abbau von Behinderungen; Öffentlichkeitsarbeit für den ÖV; Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung; Zusätzlich dürften auch die hohen Treibstoffpreise des letzten Jahres zu einem Sinken des MIV-Anteils beigetragen haben.

  • Das Ziel der starken Verringerung der Weganteile des MIV konnte nicht erreicht werden. Der MIV ist ist aber leicht gesunken. 

  • Der Weganteil des nicht motorisierten Verkehrs ist im Vergleich zu 2004 durch die Förderung des Fahrradverkehrs leicht gestiegen, der Fußgängerverkehr hat aber weiter abgenommen.

  • Beim Fahrradverkehr deckt sich die angestrebte Entwicklung mit der tatsächlichen. Das wurde durch ein konsequentes Förderprogramm bewirkt (unterstützt durch Parkraumbewirtschaftung und hohe Treibstoffpreise).

  • Die tatsächliche Entwicklung des Fußgängerverkehrs weicht von der angestrebten Entwicklung, nämlich die abnehmende Tendenz abzufangen, stark ab. Die Ursache liegt unter anderem in der weiter anhaltenden dezentralen Siedlungsentwicklung, der Zunahme des Motorisierungsgrades und der Erweiterung autoorientierter Großmärkte und damit steigenden Weglängen. Anteile des Fußgängerverkehrs verlagern sich auf den MIV, öffentlichen Verkehr und Fahrradverkehr.

images/de_MobilitaetGraz_VKMAufteilung.gif
Abbildung: Verkehrsmittelaufteilung im Zeitvergleich 
(Basis: Mobile Wohnbevölkerung ab 6 Jahren, Werktagsnormalverkehr 2008)

Ein Vergleich der Ergebnisse mit Nürnberg, Wiesbaden, Karlsruhe und Wien (Erhebung durch Socialdata nach demselben Erhebungsdesign) ergibt folgendes Bild:
  • Der Grazer Anteil der MIV-LenkerInnen liegt im oberen Mittel der verglichenen Städte. Einige der größenmäßig ähnlichen Städte (Nürnberg und Karlsruhe) weisen niedrigere Weganteile der MIV-LenkerInnen auf.
  • Der Weganteil des Radverkehrs liegt in Graz im oberen Bereich der verglichenen Städte.
  • Der Fußgängeranteil weist in Graz den geringsten Weganteil auf. Das ist auf Verlagerungen zum Fahrrad zurückzuführen, aber auch auf die zunehmende dezentrale Siedlungsentwicklung und Zentralisierung der Versorgungseinrichtungen. Im Fußgängerverkehr besteht in Graz ein großes Potential, insbesondere für Fördermaßnahmen außerhalb der bereits sehr fußgängerfreundlich gestalteten Innenstadt.
  • Die Stadt Wien ist mit Graz wegen der stark unterschiedlichen Größe nicht direkt vergleichbar. Wien weist einen wesentlich höheren Anteil des öffentlichen Verkehrs und wesentlich geringere Anteile des Fahrradverkehrs und MIV auf.
images/de_MobilitaetGraz_internationaler%20Stadtevergleich.gif
Abbildung: Modal Split im Zeitvergleich
(
Mobile Wohnbevölkerung ab „0“ Jahren, alle Wochentage inkl. Wochenende)